Jede genormte oder registrierte Stahlsorte hat in Europa zwei Bezeichnungen: einen Kurznamen nach DIN EN 10027-1 und eine Werkstoffnummer nach DIN EN 10027-2. Die Werkstoffnummer ist ein kurzer Zahlenschlüssel, der eine Stahlsorte eindeutig identifiziert. Deshalb wird sie in Zeichnungen, Stücklisten, Bestellungen und Werkstoffdatenbanken besonders häufig verwendet.
Aufbau einer Werkstoffnummer
Eine Werkstoffnummer für Stahl hat die Form 1.XXYY. Ein Punkt trennt die erste Ziffer vom Rest:
| Stelle | Bedeutung | Beispiel 1.4301 |
|---|---|---|
| 1 | Werkstoffhauptgruppe: 1 steht für Stahl | 1 |
| XX | Stahlgruppennummer (00 bis 99) | 43 |
| YY | Zählnummer innerhalb der Stahlgruppe | 01 |
Seit der Ausgabe 2015 der Norm kann die Zählnummer auf vier Stellen erweitert werden, weil einige Stahlgruppen voll belegt sind. Die zusätzlichen Stellen werden erst vergeben, wenn die zweistelligen Zählnummern einer Gruppe ausgeschöpft sind, also nach 1.XX99 zum Beispiel 1.XX9901.
Andere Werkstoffhauptgruppen, etwa 2 für Nichteisen-Schwermetalle oder 3 für Nichteisen-Leichtmetalle, stammen aus dem deutschen Nummernsystem nach DIN 17007 und sind nicht Gegenstand der DIN EN 10027-2.
Was die Stahlgruppennummer aussagt
Die Stahlgruppennummer ordnet eine Sorte einer Stahlklasse zu. Die Einteilung folgt der Klassifizierung der Stähle nach DIN EN 10020 (unlegiert, nichtrostend, andere legiert; Qualitäts- und Edelstähle). Die vollständige Zuordnung steht in Tabelle 1 der DIN EN 10027-2. Vereinfacht gilt:
| Stahlgruppennummer | Stahlklasse |
|---|---|
| 00, 90 | Grundstähle |
| 01 bis 07, 91 bis 97 | unlegierte Qualitätsstähle |
| 08, 09, 98, 99 | legierte Qualitätsstähle |
| 10 bis 19 | unlegierte Edelstähle |
| 20 bis 29 | legierte Edelstähle: Werkzeugstähle |
| 30 bis 39 | legierte Edelstähle: verschiedene Stähle, z. B. Schnellarbeitsstähle (32, 33) und Wälzlagerstähle (35) |
| 40 bis 49 | legierte Edelstähle: nichtrostende und hitzebeständige Stähle |
| 50 bis 89 | legierte Edelstähle: Bau-, Maschinenbau- und Druckbehälterstähle |
Innerhalb der Gruppen 40 bis 49 unterscheidet die Nummer zum Beispiel nach Nickelgehalt und Molybdän: 43 steht für nichtrostende Stähle mit mindestens 2,5 % Nickel ohne Molybdän, Niob und Titan, 44 für dieselbe Gruppe mit Molybdän und 45 für nichtrostende Stähle mit Sonderzusätzen.
Beispiele für Werkstoffnummern
Die folgenden Sorten sind im Register Europäischer Stähle (Stahl-Eisen-Liste) mit diesen Nummern und Kurznamen eingetragen:
| Werkstoffnummer | Kurzname | Stahlgruppe |
|---|---|---|
| 1.0038 | S235JR | 01, unlegierter Qualitätsstahl (allgemeiner Baustahl) |
| 1.0503 | C45 | 05, unlegierter Qualitätsstahl |
| 1.1191 | C45E | 11, unlegierter Edelstahl |
| 1.2379 | X153CrMoV12 | 23, Werkzeugstahl |
| 1.3505 | 100Cr6 | 35, Wälzlagerstahl |
| 1.4301 | X5CrNi18-10 | 43, nichtrostender Stahl |
| 1.4401 | X5CrNiMo17-12-2 | 44, nichtrostender Stahl mit Mo |
| 1.4571 | X6CrNiMoTi17-12-2 | 45, nichtrostender Stahl mit Sonderzusätzen |
| 1.7225 | 42CrMo4 | 72, Cr-Mo-Stahl mit < 0,35 % Mo (legierter Edelstahl, Bau-/Maschinenbaustahl) |
Das Beispiel C45 und C45E zeigt, dass ähnliche Kurznamen zu unterschiedlichen Werkstoffnummern gehören können: C45 ist als unlegierter Qualitätsstahl eingeordnet, C45E als unlegierter Edelstahl.
Werkstoffnummer und Kurzname
Der Kurzname nach DIN EN 10027-1 ist nach zwei Prinzipien aufgebaut. Stähle, die nach Verwendung und mechanischen Eigenschaften bezeichnet werden, tragen einen Kennbuchstaben und einen Kennwert, zum Beispiel S235JR: S für Stahlbau, 235 für die Mindeststreckgrenze in N/mm² bei der kleinsten Erzeugnisdicke. Stähle, die nach ihrer chemischen Zusammensetzung bezeichnet werden, enthalten Kohlenstoffgehalt und Legierungselemente, zum Beispiel 42CrMo4 oder X5CrNi18-10.
Der Kurzname ist damit lesbarer, aber länger. Die Werkstoffnummer ist kürzer, eindeutig und unabhängig von Schreibweisen. Für Datenbanken, ERP-Systeme und den Datenaustausch ist sie deshalb oft der bessere Schlüssel. Beide Bezeichnungen sind gleichwertig und gehören zur selben Stahlsorte.
Vergabe und Register Europäischer Stähle
Werkstoffnummern vergibt die Europäische Stahlregistratur auf Antrag, für genormte und für nicht genormte Stahlsorten. Diese Aufgabe nimmt das Stahlinstitut VDEh in Düsseldorf wahr. Es veröffentlicht das Register Europäischer Stähle, die Stahl-Eisen-Liste, exklusiv in StahlDat SX. Das Register enthält die Stahlsorten aus europäischen Normen und die bei der Stahlregistratur gemeldeten Sorten einschließlich Werksmarken europäischer Hersteller.
Wer eine Werkstofftabelle Stahl mit allen registrierten Sorten sucht, findet die Liste aller registrierten Stahlsorten mit Werkstoffnummer und Kurzname auf stahldaten.de.
Im Sprachgebrauch sind daneben noch ältere oder traditionelle Bezeichnungen verbreitet, etwa Namen aus früheren DIN-Normen oder Handelsnamen. Das Register führt auch ältere Sorten, zum Beispiel 1.0037 mit dem Kurznamen St 37-2. Die Werkstoffnummer hilft hier, eine Sorte eindeutig zuzuordnen, ersetzt aber nicht den Blick in die jeweils gültige Norm.
Werkstoffnummern in Datenbanken und Systemen
In einem Werkstoffdatenmanagement dient die Werkstoffnummer als stabiler Schlüssel, über den Normdaten, Prüfdaten, Lieferantenzertifikate und Simulationsergebnisse derselben Stahlsorte verbunden werden. Die Werkstoffdatenbanken von Matplus und StahlDat SX stellen Referenzdaten zu Stahlsorten bereit; in Matplus EDA® lassen sie sich mit eigenen Daten zusammenführen.
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